Schwerpunkt: Medizin-IT
Gastkommentar: Patientenstamm oder Patienten- Community
Von Frank Stratmann, Initiator und Gründer von „praxistotal“, Coach und Berater für niedergelassene Ärzte und Zahnärzte sowie offizieller XING-Trainer
Hamburg -Frank Stratmann, Initiator und Gründer von „praxistotal“, Coach und Berater für niedergelassene Ärzte und Zahnärzte sowie offizieller XING-Trainer
© XING AG
Patienten würden sich gern interaktiver mit dem Arzt Ihres Vertrauens austauschen. Das belegen Studien. Der Arzt steht aber mit Plakaten und traurigem Gesicht auf der Straße. Das Bedürfnis der Patienten nach guter Gesundheitsinformation steigt ständig. Jeder Anbieter, der den Patienten als Zielgruppe wertet, hat das begriffen: Gesundheitsportale, TV und Medien bemühen sich redlich um die wichtige Zielgruppe Patient.
Der Patient entwickelt sich von einem leidenden zu einem eigenverantwortlichen Menschen, der selbst über gesunderhaltende Dienstleistungen entscheiden wird.
Ein Arzt muss sich heute unter einem New-Economy-Gedanken mit seinen Patienten sozial vernetzen und zwar digital. Offline wäre für den medialen Praxismarketing-Mix nicht effizient genug. Patienten sind wir alle einmal, egal welches Leiden uns trifft. Die Beziehung zu seinem Arzt oder Zahnarzt gestaltet sich jedoch sehr einseitig. Nur gut informierende Praxen schaffen es, mit ihren Patienten - auch ohne einen Leidensgrund - im Dialog zu stehen. Interaktive Elemente, ausgesendet von einer Arzt- oder Zahnarztpraxis, sind überraschend und somit wertvoll. Der eigene Patientenstamm und die an die Praxis angrenzenden Multiplikatoren, bieten ein riesiges Potenzial für diese am glaubwürdigsten eingestufte Berufsgruppe. Praxen haben frei Haus bereits Kontakt zu mehreren tausend Menschen mit hohem Vertrauenspotenzial. Die Vernetzung der eigenen Praxis als Kommunikationsmaßnahme im eigenen Praxismarketing-Mix ist ad hoc nutzbar. Das gilt auch für die Vernetzung mit Kolleginnen und Kollegen im interdisziplinären Ärztenetzwerk.
Es bieten sich genügend Techniken im Web 2.0, sein eigenes Netzwerk auf Basis des eigenen Patientenstamms wachsen zu lassen. Intelligenter ist aber für den technisch wenig versierten Praxisinhaber, sich auf einer publikumsstarken Plattform zu engagieren. Ein wenig Gespür wird lediglich in den unterschiedlichen Kulturansprüchen zwischen Real-Life und Parallel- Universum notwendig. Wer seine Chancen heute nutzt, erlebt den Schulterschluss zwischen diesen beiden Welten, die sich immer mehr miteinander verweben.
26 Millionen Patienten gehören laut Bitkom in Deutschland mittlerweile zu aktiven Nutzern auf Plattformen für Soziale Netzwerke. Zweistellige Wachstumsraten sind auch in den nächsten Jahren zu erwarten. Allein XING verzeichnet über 3,6 Millionen Mitglieder im deutschsprachigen Raum. Mehr als 8 Millionen sind es weltweit. Wer im Netz nicht gefunden wird, gilt als Hinterbänkler, viele Praxisinhaber empfinden das eigene Empfehlungsmanagement als subjektiv größte Chance in der Patientenakquise. Früher war Mundpropaganda, heute ist es die schriftliche Empfehlung im Web 2.0. Die Optionen für virales Marketing sind in diesem Segment enorm.
Wie spannend wäre es, wenn mein Zahnarzt eine eigene, öffentliche Gruppe in einem sozialen Netzwerk moderierte und dort aktive Informationspolitik im Sinne der eigenen Praxis-Philosophie betriebe? Wie effektiv wäre es für einen Arzt oder Zahnarzt, mit seinen dort vernetzten Patienten den Community-Gedanken zu leben? Keine Hochglanzbroschüre, einfach nur die Praxis selbst. Aufgeschlossen, modern und menschlich.
Was ich als Patient von meinem Arzt oder Zahnarzt erwarte? Autark stark soll er sein. Teil eines sozialen Geflechts in einer netzwerkenden Gesellschaft.
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(erschienen Dezember 2009)
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